Geförderte Projekte und Termine 2026
Nachfolgend die Übersicht über die 2026 zu den Themen Musik und Erinnerung beschlossenen geförderten Projekte der Holger Koppe-Stiftung mit den regionalen Schwerpunkten Rhein-Main und Leipzig. Weitere Projekte werden hinzukommen.
Achtung: Anträge für 2027 sollten bereits bis 05.09.2026 eingereicht werden, da die Stiftungsbeiratssitzung schon Ende September stattfindet.
Stadtteil-Oper mit Schülern aus Frankfurt-Sossenheim
In einem 2025 begonnenen Projekt arbeitet das Bridges Kammerorchester mit Schülerinnen und Schülern der Henri-Dunant-Grundschule aus Frankfurt-Sossenheim zusammen, um im Frühjahr 2026 eine Stadtteil-Oper zur Aufführung zu bringen. Die stark migrantisch geprägte Schule soll damit ein Angebot erhalten, das den Kindern einen Zugang zu gesellschaftlicher und kultureller Teilhabe ermöglicht. Schon 2022 und 2024 hat das Kammerorchester mit diesem Ziel an der Schule gearbeitet. Es finden gemeinsame Proben statt und das Stück wird gemeinsam unter dem Titel „Du bist ok“ erarbeitet. In der Zeit vom 18.-22. Mai 2026 finden die Abschlussproben und das Abschlusskonzert im Volkshaus Sossenheim statt. Das Bridges Kammerorchester ist seit vielen Jahren in der transkulturellen Musikvermittlung engagiert und hat zahlreiche Preise erhalten. Das Projekt in Sossenheim wird von mehreren Stiftungen gefördert, darunter die Holger Koppe-Stiftung.
Publikation über ehemalige Leipziger in Israel und New York
Sowohl in Israel wie auch in New York gibt es Vereinigungen ehemaliger vertriebener/geflüchteter Leipziger (Verband ehemaliger Leipziger in Israel und Vereinigung ehemaliger Leipziger in New York). Die New Yorker Vereinigung „Leipziger Jews Benevolent Association“ wurde bereits in den 40er Jahren gegründet, die „Association of former Leipziger in Israel“ im Jahr 1953. Seit der Wende findet ein reger Austausch mit ihnen statt und u. a. geht die Städtepartnerschaft mit Herzlya darauf zurück. Die Stadt Leipzig will die Arbeit dieser Vereinigungen und den Austausch mit der ehemaligen Heimat in einer Publikation ebenso darstellen, wie an die Ermordeten erinnern. Das Buch wird aus Anlaß des Jahres "Tacheles" im Verlag Hentrich & Hentrich erscheinen und von der Holger Koppe-Stiftung gefördert werden.
„Rosels Weg“ – vom Leben einer ermordeten Jüdin aus Rödermark bei Frankfurt
Das Projekt „Rosels Weg“ der Stolpersteine Rödermark erinnert an die Ober-Röder Jüdin Rosel Hecht (1925–1941), die mit 16 Jahren nach Minsk deportiert und vermutlich in Maly Trostinec ermordet wurde. Entlang eines 750 Meter langen Weges in Ober-Roden markieren Schautafeln zentrale Stationen ihres Lebens und verknüpfen sie über QR-Codes mit Filmen, Podcasts und Unterrichtsmaterialien. Ergänzend entstehen digitale Formate wie eine Instagram-Reel-Serie und ein Podcast, die besonders Jugendliche ansprechen. Höhepunkte waren ihr 100. Geburtstag am 8. November 2025 mit einer Gedenkfeier. Im Frühjahr 2026 folgt die feierliche Eröffnung des Weges mit einer Open-Air-Performance und Gedenkzeichen am Bahnhof. Schulen, Vereine, Kirchen, Initiativen und Künstler sind aktiv beteiligt und gestalten die Umsetzung mit. Das Projekt wird von der Holger Koppe-Stiftung unterstützt.
Schneeblumen-Gedenkweg am 13. April 2026 in Leipzig
Am 13. April 2026 wird erneut durch den Schneeblumen-Gedenkweg von Leipzig-Markkleeberg nach Leipzig-Probstheida an den Marsch von 1300 jüdischen Frauen aus Ungarn und 250 französischen Resistance-Kämpfern vom Außenlager Wolfswinkel des KZ Buchenwald bis nach Theresienstadt im April 1945 erinnert. Unter Federführung der Notenspur Leipzig e.V. und mehrerer Leipziger und Markkleeberger Initiativen, Vereine und Schulen sowie unter Einbeziehung der jüdischen Gemeinde wird der Opfer des Todesmarsches auf der etwa 6,5 km langen Wegstrecke gedacht. Unterwegs gibt es 26 Erinnerungsstationen und 3 Verweilstationen. An 11 Stationen werden die Namen aller 1.550 Gefangenen verlesen. Weiterhin wird aus Texten einer Überlebenden vorgetragen. Die Durchführung des
Gedenkwegs, 2026 im Rahmen des sächsischen Themenjahres Tacheles, wird von der Holger Koppe-Stiftung finanziell unterstützt.
Schulprojekt „Response“ der HfMuDK Frankfurt mit eigenen Kompositionen
Bei dem Projekt „Response“ geht es darum, Kinder und Jugendliche aller Klassenstufen und Schulformen mit zeitgenössischer Musik zusammenzubringen und sie dazu zu veranlassen, mit eigenen Improvisationen und Kompositionen darauf zu antworten. Komponisten, Interpreten und Lehrer arbeiten dabei im Team mit einer Schulgruppe zusammen. Das Projekt wird von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt seit vielen Jahren an hessischen und thüringischen Schulen durchgeführt. Das diesjährige Thema heisst „Zeitgeräusche“ und endet mit einem Abschlusskonzert am 24. und 25.04.2026 im Staatstheater Wiesbaden. Mit dem Ziel, weitere Schüler aus dem Raum Frankfurt/Offenbach zu beteiligen, unterstützte die Holger Koppe-Stiftung das Projekt Response bereits 2022 und 2024 und wird es auch 2026 fördern.
Sonderausstellung über Bach und jüdisches Leben im Leipziger Bach-Archiv
Im Rahmen des Themenjahres „Tacheles 2026“ präsentiert das Bach-Museum vom 21. 05. bis 13.12.2026 die Sonderausstellung „Jüdisches Leben und die Musikerfamilie Bach“. In der Schatzkammer werden Objekte gezeigt, die die bedeutende Rolle jüdischer Familien – insbesondere von Frauen wie Sara Levy oder Bella Salomon – für die Bach-Pflege und - Rezeption verdeutlichen. Ergänzt wird dies durch Exponate jüdischer Sammler, die unter der NS-Herrschaft verfolgt oder ermordet wurden, sowie durch Schenkungen von ShoahÜberlebenden. Auch in der Dauerausstellung werden jüdische Kultur, Musik und religiöse Praxis vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart dargestellt. Mit interaktiven Modulen, Hörstationen und inklusiven Angeboten richtet sich das Projekt insbesondere an Kinder, Jugendliche und Familien. Das Projekt wird von der Holger Koppe-Stiftung gefördert.
Festschrift zu 100 Jahre Leipziger Universitätschor
Das Netzwerks Alte Musik e. V. veranstaltet zu 100 Jahre Leipziger Universitäts-Chor ein Jubiläumskonzert am 17.06.2026 am Gründungsort des Universitäts-Chors in der Moschelesstrasse. In diesem Zusammenhang wird eine Festschrift über die Geschichte des Chos incl. der Zeit des Dritten Reichs erarbeitet. In der wissenschaftlichen Bearbeitung wird auch die Rolle wichtiger Akteure des Universitäts-Chores in der Zeit des Nationalsozialismus untersucht. Auch die DDR-Zeit und insb. die Phase der Sprengung der Leipziger Universitätskirche werden behandelt. Bearbeitung und Produktion der Festschrift werden von der Holger Koppe-Stiftung finanziell unterstützt.
Aufarbeitung der Geschichte des Physikalischen Vereins Frankfurt
Im Rahmen eines von 2024 – 2027 laufenden Projektes geht es um die Aufarbeitung der Geschichte seit Gründung 1824. Der Physikalische Verein ist eine der ältesten wissenschaftlichen Gesellschaften in Deutschland und seit über 200 Jahren eine zentrale Institution für die Förderung von Naturwissenschaften in Frankfurt. Wie viele andere wissenschaftliche Einrichtungen blieb er nicht unberührt von den politischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts. Die Zeit des Nationalsozialismus stellte eine Zäsur dar – für die deutsche Wissenschaft insgesamt, aber auch für
den Physikalischen Verein selbst. Bisher ist wenig über die Rolle des Vereins in dieser Epoche bekannt. Erste Recherchen zeigen, dass mindestens 10% der Mitglieder aufgrund ihrer jüdischen Abstammung ausgeschlossen wurden. Doch es geht nicht nur um das Erinnern an die Opfer. Es geht auch um die Frage, wie wissenschaftliche Institutionen zu Akteuren oder Mitläufern in einem Unrechtsstaat werden konnten. Welche Strukturen, welche Mechanismen ermöglichten diese Anpassung? Die wissenschaftliche Aufarbeitung soll nach Abschluß 2027 in Buchform veröffentlicht werden und wird von der Holger Koppe-Stiftung unterstützt.
Schülerfahrt der Werner-Heisenberg-Schule in Leipzig
Bereits 2025 führte die Werner-Heisenberg-Schule in Leipzig eine Bildungsfahrt über Prag zu den Gedenkstätten in Theresienstadt und in Auschwitz durch, die von der Holger Koppe-Stiftung gefördert wurde. In der Zeit vom 22. – 26.06.2026 ist eine weitere Fahrt mit voraussichtlich 18 Schülern vorgesehen. In Prag werden verschiedene Erinnerungsorte besucht, u. a. bezogen auf das Heydrich-Attentat und die Geschichte des jüdisch-deutschen Fussballclubs DFC Prag. Nach Theresienstadt führt ein Tagesausflug und Auschwitz bildet den Abschluss der Bildungsfahrt, die von der Holger Koppe-Stiftung gefördert wird.
Strassenmusikfestival im Rahmen der Jüdischen Woche Leipzig
Im Rahmen der Jüdischen Woche in Leipzig wird das Ariowitsch-Haus am 22.06.2026 nachmittags ein Strassenmusikfestival „Le Chaim“ durchführen. Nachmittags von 15 – 18 Uhr treten in der Grimmaischen Strasse verschiedene Musiker mit jüdischer Musik auf, u. a. ein Duo aus Brünn, das Menashe Lukin-Ensemble und das Klezmer-Oktett der Musikschule Johann-Sebastian-Bach. Umrahmt wird es von verschiedenen Ständen mit Beiträgen zur jüdischen Kultur. Die Holger Koppe-Stiftung fördert das Strassenmusikfestival.
Jugendmusikpreisverleihung in Leipzig im Rahmen des Jahres der jüdischen Kultur
Seit 2016 wird in Zusammenarbeit mit den Landesmusikräten der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ein Jugendmusikpreis durch die Holger Koppe-Stiftung vergeben. Nachdem zunächst eine Anlehnung an den Wettbewerb Jugend musiziert erfolgte, wurde 2023 als Themenschwerpunkt für die Preisverleihung 2023 die Erinnerung an verfolgte und ermordete Musiker insb. in der NS Zeit vorgegeben. Diese Änderung fand bei allen Beteiligten großen Anklang, so dass dieser Themenschwerpunkt auch künftig vorgegeben werden soll. Die nächste Preisverleihung wird in das Jahr der jüdischen Kultur 2026 in Sachsen integriert, wobei die Ausschreibung zur Sicherstellung einer ausreichenden Vorbereitungszeit bereits 2025 im Frühjahr erfolgte. Die Preisverleihung verbunden mit einem Preisträgerkonzert findet am 27.09.2026 um 17 Uhr in der Musikhochschule Felix Mendelssohn-Bartholdy in Leipzig statt.
Konzert des Freunddeskreises Collegium Musicum im Ariowitsch-Haus in Leipzig
Am 8.10.2026 wird der Freundeskreis des Collegium Musicums im Ariowitsch-Haus Leipzig das Konzert „Salomone Rossi – Il Hebreo mantovano“ im Rahmen des Themenjahres „Tacheles" aufführen. Im Mittelpunkt steht der jüdische Komponist Salomone Rossi (ca. 1570–1630), der am Hof der Gonzaga in Mantua wirkte und mit seiner Sammlung Hashirim asher li-Shlomo (1623) erstmals mehrstimmige Synagogalmusik veröffentlichte. Das Programm vereint Madrigale, Instrumentalmusik und hebräische Gebetsgesänge und wird in Kooperation mit dem israelischen Ensemble Profeti della Quinta aufgeführt. Moderationen, ein Pre-Concert-Talk und Gespräche mit dem Publikum sollen Verständlichkeit, historische Einordnung und aktuelle Bezüge ermöglichen. Das Projekt fördert jüdische Kultur, stärkt den Austausch zwischen Leipziger und internationalen Künstlern und setzt ein Zeichen für weltoffene, vielfältige Kulturarbeit. Die Aufführung wird von der Holger Koppe-Stiftung gefördert.
„Zeitansagen“ mit Texten von Victor Klemperer in Leipziger Randgemeinden
Die Ev.-Luth. Kirchgemeinde Böhlitz-Ehrenberg (Leipzig) wird um den 9. November herum Texte von Victor Klemperer zum Thema ideologische Sprache zur Aufführung bringen. Der Titel ist "Zeitansagen – Victor Klemperer und die LTI" (Lingua Tertii Imperii), ausgeführt im Rahmen eines literarisch-musikalisches Projekts mit Axel Thielmann und dem Klangprojekt Leipzig. Das Programm thematisiert die Macht ideologischer Sprache anhand von Victor Klemperers „LTI“ und seinem Erleben im Nationalsozialismus. Vor dem Hintergrund aktueller sprachlicher Verrohung will das Projekt für die Wirkung von Sprache sensibilisieren. Geplant sind drei Aufführungen – im Kirchgemeindehaus sowie bewusst an zwei ungewöhnlichen Orten (Wohngebietsgaststätte und Gartenkneipe) – um gesellschaftlich breite Zielgruppen zu erreichen. Die Aufführungen werden von der Holger Koppe-Stiftung finanziell unterstützt.
Beteiligung am sächsischen Demokratiepreis 2026
Seit vielen Jahren wird der von mehreren Stiftungen und Institutionen ausgelobte Sächsische Förderpreis für Demokratie vergeben. Ausgezeichnet wird die Arbeit von Initiativen, Institutionen und Vereinen, die sich besonders für die Erhaltung und Entwicklung der Demokratie einsetzen. Der Preis wurde ursprünglich von der in Berlin ansässigen Amadeu-Antonio-Stiftung ins Leben gerufen. Im Laufe der Jahre haben sich weitere Stiftungen der Verleihung angeschlossen und seit 2025 ist die Holger Koppe-Stiftung Partner bei der Ausrichtung des Demokratiepreises. Seit 2021 ist auch die sächsische Landesregierung an der Verleihung des Preises beteiligt. Neben dem Hauptpreis gibt es mehrere Anerkennungspreise sowie einen Sonderpreis der Landesregierung. Die Preisverleihung 2026 wird voraussichtlich wieder in Dresden stattfinden. Für die Holger Koppe-Stiftung ist der Einsatz für Freiheit und Demokratie ein zentrales Anliegen bei ihren Förderungen und auch in Sachsen sind diese Werte gefährdet.
Stand: 01/2026
